Unternehmensgeschichte
Die Entdeckung des Aluminiums
1807 schmelzt der Engländer Sir Humphry Davy Eisen mit Tonerde und erhält eine Eisen-Aluminium-Legierung. Für den Bruchteil einer Sekunde, bevor es sich mit dem Eisen verbindet, wird Aluminium erstmals als Metall frei. 20 Jahre später bestimmt der deutsche Chemiker Friedrich Wöhler als erster die Eigenschaften des Aluminiums. Es gelingt ihm, auf chemischem Weg Aluminium in Form kleiner Flitterchen herzustellen. 1886 erfinden der amerikanische Chemiker Charles Martin Hall und der französische Ingenieur Paul-Louis-Toussaint Héroult gleichzeitig, jedoch unabhängig voneinander, die Schmelzfluss-Elektrolyse. Dank diesem Verfahren wird es möglich, Aluminium auf industriellem Weg zu gewinnen. Ein Jahr später entsteht bei Neuhausen am Rheinfall das erste europäische Aluminiumwerk.
Alfred Gautschi: ein Pionier mit Herz
Der 1871 in Menziken geborene Alfred Gautschi († 1955) legt im Alter von 26 Jahren den Grundstein für die Alu Menziken in Fleurier. Seine Experimente mit dem neuen Werkstoff Aluminium machen ihn schnell zu einem der Pioniere der Schweizer Aluminiumindustrie. Der Jungunternehmer stammt aus einfachen Verhältnissen und hat bereits langjährige handwerkliche Erfahrungen auf den verschiedensten Gebieten der Metallverarbeitung gesammelt. Sein ausgeprägter Familien- und Heimatsinn lässt ihn trotz günstigen Bedingungen im jurassischen Fleurier um die Jahrhundertwende sein Geschäft nach Gontenschwil - und später nach Menziken -verlegen. Hier baut er sein Unternehmen Schritt für Schritt aus. Niemals vergisst er jedoch, seine Mitarbeiter am Erfolg der Alu Menziken zu beteiligen. So greift er in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nötigenfalls in die eigene Tasche, um im Namen der Firma Einlagen in Fürsorgefonds, Gratifikationen und Vergabungen entrichten zu können.
1897 Der 26jährige Mechaniker Alfred Gautschi von Menziken erwirbt in Fleurier eine kleine mechanische Werkstatt. Der Betrieb befasst sich mit Zentralheizungen, Sägereieinrichtungen sowie Material und Anlagen für die Uhrenindustrie. Gautschi sieht die schweren Transmissionen und sucht eine bessere Lösung. Ein Freund berichtet Gautschi vom neuen, leichten Werkstoff Aluminium, mit dem er erste Versuche unternimmt.
1899 Gautschi fertigt die ersten Riemenscheiben aus Aluminium für die Uhrenindustrie an. Er erhält zunehmend Aufträge der Fahrzeugindustrie für Motorengehäuse. Diese führen zum Ausbau der Giesserei.
1903 Alfred Gautschi verlegt den Betrieb nach Gontenschwil, wo er eine stillgelegte Mühle, die «Lochmühle», erworben hat. Von nun an widmet er sich ganz der Verarbeitung von Aluminium. Neben der Giesserei richtet Gautschi ein Versuchswalzwerk zur Herstellung von Alufolien ein.
1905 Gautschi gründet die Aktiengesellschaft und meldet sein «Verfahren zur Herstellung schmiegsamer Aluminiumfolie in allen Industriestaaten zum Patent an.
1907 Der erste Grosskunde für Aluminiumfolien kommt aus Deutschland. Es geht um monatliche Lieferungen von 1,6 Millionen Schnupftabak-Packungen.
1908 Bezug des neuen Werks in Menziken. Der gute Geschäftsgang veranlasst Firmengründer Gautschi zur Verdoppelung der Angestellten-Gehälter. Gleichzeitig richtet er eine Arbeiterhilfskasse ein. Gautschi greift nötigenfalls in die eigene Tasche, um Einlagen in Fürsorgefonds, Gratifikationen und Vergabungen entrichten zu können.
1911 Aufnahme der Fabrikation von Draht, Stangen und Winkelprofilen im Walzverfahren. Im Direktorenbericht heisst es, dass «die Aufträge kaum zu bewältigen sind».
1912 Der Firmenkatalog enthält 208 verschiedene Küchenartikel, vom Besteck über Touristenkocher bis zu Dampftöpfen usw.
1914 Das Unternehmen stellt sich an der Landesausstellung in Bern vor. Stark reduzierter Betrieb wegen militärischen Abwesenheiten durch den Aktivdienst.
1918 Der Ausstoss der Firma hat sich seit der Errichtung des Walzwerks in Menziken mehr als verzehnfacht. 146 Betriebsangestellte, darunter sämtliche Werkführer und Vorarbeiter, erkranken an Grippe, einige davon sterben. Im Rahmen des landesweiten Generalstreiks ruht auch in der Alu Menziken für zwei bis drei Tage die Arbeit.
1921 Beginn der Erstellung von Arbeiter-Wohnhäusern.
1926 Übernahme der Maschinenbau-Werkstätte Leuenberger & Cie., Reinach. Die Firma produziert hauptsächlich Drehbänke.
1928 Mit der Anschaffung der ersten Vertikal-Strangpresse mit 350 Tonnen Presskraft legt die Firma den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft als international anerkanntes Presswerk.
1932 Generalstreik: Im Juli bestreiken rund 400 Arbeiter die Werke in Menziken und Gontenschwil für einige Tage. Streitpunkte sind der Lohnabbau von 5 1/2 Prozent und die vorläufige Reduzierung der Ferientage um 30 Prozent. Der Lohnabbau tritt in Kraft. Die Ferientage werden nicht reduziert.
1936 Die Alu Menziken übernimmt die Kochgeschirr-Firma Ferdinand Sigg AG in Frauenfeld. Sigg ist zu dieser Zeit der grösste Inlandkunde des Unternehmens. Der Sigg-Dampftopf «Arta-Pot» ist jahrelang der Traum der Hausfrauen und leistet sogar auf der ersten Himalaja-Expedition von Prof. Dr. Dyrenfurth gute Dienste.
1939 Ankauf einer spektralanalytischen Einrichtung und Aufbau eines chemischen Laboratoriums. Teilnahme an der Landesausstellung in Zürich. Starke Produktionseinschränkungen infolge des II. Weltkriegs.
1946 Die Firma wird in «Aluminium AG Menziken» umbenannt.
1948 Das Leichtmetallfenster wird entwickelt. Es folgen Bedachungen, Wandverkleidungen, Kipp- und Rolltore, Lamellenstoren, Geländerkonstruktionen, usw. Eröffnung der betriebseigenen Kantine.
1952 Ausbau der Schmelzerei nach modernsten Gesichtspunkten. Elektrisch beheizte Öfen ersetzen die Ölfeuerung. In den Anfängen wurden die Öfen mit Koks beheizt.
1953 Bau des neuen Walzwerkes in Menziken auf dem Areal des ehemaligen «Negerdorfes».
1954 Inbetriebnahme der 2500-Tonnen Strangpresse in Menziken, die in dieser Zeit zu den modernsten der Welt gehört.
1956 Das Unternehmen liefert erstmals Flugzeug-Profile an Fokker für den legendären F 50.
1960 Baubeginn für das Hochhaus in Menziken, das 1962 bezogen wird.
1962 Im Reinacher Moos erstellt das Unternehmen ein neues, vollständig unterkellertes Strangpresswerk mit einer Gesamtfläche von 3800 m2.
1964 Teilnahme an der «Expo» in Lausanne.
1969 Ausbau des Presswerks in Reinach für den Betrieb einer Lackiererei, Poliererei und einer vollautomatischen Anodisierungsanlage.
1972 Eine schlagartige Bestellungsflut führt im Profilwerk in Reinach zu Lieferfristen zwischen 6 und 8 Monaten.
1974 Bau und Inbetriebnahme eines Zweigwerks in Schüpfheim, Entlebuch. Das Werk Gontenschwil stellt ein 1014 kg schweres Gussstück her, das für die Verschalung einer dreistufigen europäischen Rakete verwendet wird.
1977 Die Alu Menziken Gruppe präsentiert sich erstmals am «Salon international de l'Aéronautic et de l'Espace» in Le Bourget bei Paris, der grössten Luftfahrtschau der Welt. Man beabsichtigt, den Bereich Flugzeugmaterial weiter auszubauen.
1978 Ende Jahr beschäftigt die Alu Menziken Gruppe 966 Mitarbeiter. Da der Arbeitsmarkt in der Gegend ausgetrocknet ist, wird es immer schwieriger, den Personalbestand aufrecht zu erhalten. Qualifiziertes Personal ist fast nicht mehr erhältlich.
1981 Über 40% der direkten Exporte der Alu Menziken Gruppe gehen nach Deutschland, fast 20% nach Holland und je zwischen 3-8% nach Italien, Schweden, Frankreich, Grossbritannien und Österreich. Daneben gehen auch 30 Tonnen lackierte Bänder nach Nigeria (im Bild: Brückengeländer) oder Fahnenstangen in die Vereinigten Arabischen Emirate.
1983 Die Alu Menziken Gruppe setzt einen Fuss in die USA und übernimmt die Precise Inc. in Orangenburg, NY, eine Handelsfirma für Sport-, Freizeit- und Jagdartikel.
1986 Die Maschinenfabrik Menziken eröffnet in Charlotte, N.C., USA, ein Zweigwerk unter dem Namen Menziken Automation Corp.
1988 Übernahme der Aktien mehrheit der Injecta AG, Teufenthal.
1991 Die Alu Menziken Gruppe übernimmt in den USA das Hartlegierungen-Strangpresswerk Universal Alloy Corporation (UAC), Anaheim, CA. UAC beliefert hauptsächlich Flugzeugwerke mit hochfestem Alu-Halbzeug.
1992 Das US-Handelsunternehmen Intercontinental Metals (IME) in Miami, Florida, stösst zur Alu Menziken Gruppe. IME handelt mit Aluminium-Walzprodukten für die Flugzeug-Industrie. Die Alu Menziken Gruppe erwirbt die Afag AG mit Niederlassungen in Huttwil, Aarberg und Berlin (D). Es ist ein namhaftes Unternehmen der Montageautomation.
1993 Umwandlung der Aluminium AG Menziken in eine Holdinggesellschaft. Der operationelle Bereich Halbzeug geht in die neugegründete Alu Menziken Industrie AG (AI) über. Diese ist in die drei selbständigen Bereiche Pressprodukte, Formteile und Handelscenter gegliedert.
1994 Übernahme der Gussproduktion der ABB Hochspannungstechnik Oerlikon.
1995 Die Alu Menziken Gruppe gliedert ihre Aktivitäten in drei Sparten: Die Sparte Halbzeug, die Sparte Guss und die Sparte Flugzeugmaterial. Sie übernimmt die Leichtmetall AG Schaffhausen, eine Giesserei der Georg Fischer Gruppe. Aus dem Zusammenschluss des Handels- und Servicecenters in Menziken und der Handelsfirma Bornhauser AG entsteht die Alu Metall Service Menziken AG.
1996 Aus der Zusammenführung der Giesserei Gontenschwil mit der Georg Fischer Leichtmetall AG entsteht die Alu Menziken Guss AG. Mit dem Verkauf der Sigg AG Haushaltgeräte in Frauenfeld konzentriert sich die Alu Menziken Gruppe noch mehr auf ihr eigentliches Kerngeschäft.
1997 Die Alu Metall Service Menziken AG nimmt ihr neues, hochmodernes Profillager in Betrieb. Die Gruppe eröffnet in Menziken das zukunftsweisende Ausbildungszentrum Wynental. An dieser zentralen Ausbildungsstätte werden Lehrlinge, Mitarbeiter sowie Teilnehmer externer Firmen praxisnah ausgebildet.
1998 Die Alu Menziken Gruppe führt für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Schweizer Firmen eine Erfolgsbeteiligung ein. Voraussetzung ist, dass die eigene Firma Gewinn erzielt. Weltrekord aus einem Guss! Das Sandguss-Team der Alu Menziken Guss AG in Gontenschwil erledigt einen gigantischen Job: Es giesst das schwerste Alu-Gussstück der Welt mit einem Gewicht von 7,3 Tonnen. Die Leistung findet Aufnahme ins Guinness Buch der Rekorde.
1999 Die in der Gehäusetechnik tätige Almatec AG fasst Fuss im Zukunftsmarkt China: Ab Herbst baut sie ihre Telekommunikations-Shelter dank einem Joint Venture direkt in Beijing.
2000 Neuausrichtung der Strategie hin zu einer integrierten Industriegruppe für hochwertige Aluminiumhalbprodukte: Verkauf der Firmen Alu Menziken Guss AG und Afag AG.
2001 Die Alu Metall Service Menziken AG nimmt ein in der Schweiz einmaliges Automatik-Hochregallager für Platten in Betrieb.
2002 Alu Menziken Industrie nimmt ihre neue 3500-Tonnen-Strangpresslinie in Betrieb, die weltweit modernste Anlage ihrer Art.
2003 Verkauf der Almatec AG, Schüpfheim. Alu Menziken Industrie AG wird umbenannt in Alu Menziken Extrusion AG.
2004 Verkauf der Injecta Druckguss AG, Teufenthal.
2005 Die Alu Menziken Metall Service Menziken AG wird an die Debrunner Koenig Holding AG verkauft.
2007 Montana Tech Components AG übernimmt die Alu Menziken Gruppe.
2008 Verkauf der Universal Alloy Corp. (UAC), USA an die Montana-Gruppe. Erfolgreiche Einführung eines voll intergrieten SAP Mitte des Jahres.
2009 Alu Menziken nimmt in Rekordzeit eine neue 1600 to Presse in Betrieb und integriert diese in das mannlose Logistiksystem.
2010 Montana Tech Components AG erwirbt sämtliche Aktien der Alu Menziken Gruppe. Anschliessend erfolgt die Restrukturierung der Alu Menziken Gruppe durch die Fusion sämtlicher Gesellschaften in die Alu Menziken Extrusion AG.










